Montessori Gesellschaft Österreich

Hilf mir, es selbst zu tun.

Die Pädagogik von Maria Montessori

„Hilf mir, es selbst zu tun!“ - Dieser Leitsatz der Montessori-Pädagogik drückt mit den wenigen Worten eines Kindes aus, was Ziel unserer Arbeit ist: die  Entwicklung des Kindes zu einer selbständigen, unabhängigen und sozialen Persönlichkeit, die in voller Verantwortung ihr Leben selbst in die Hand nimmt, denn jeder Mensch trägt einen inneren Entwicklungsplan in sich, der sich im Austausch mit der Umgebung entfaltet. Kinder wollen von Natur aus die Welt entdecken, erforschen und begreifen.

Im Kinderhaus lernen die Kinder so kreativ, sachgerecht und aus eigener Initiative zu handeln, ihre Fähigkeiten einzuschätzen, Konflikte konstruktiv zu lösen und allem Leben mit Achtung zu begegnen.

 

Rahmenbedingungen für diesen Lern- und Lebensprozess

Um die eigene Entwicklung frei und selbständig gestalten zu können, brauchen Kinder eine Umgebung, die auf ihre aktuellen, altersspezifischen Bedürfnisse abgestimmt ist. In der pädagogisch vorbereiteten Umgebung und im Rahmen der selbstbestimmten Freiarbeit kann sich jedes Kind nach seinen persönlichen Fähigkeiten und in seinem individuellen Tempo entwickeln. Daher ist die Montessori-Pädagogik u. a. auch für alle Arten der Integration von Kindern mit besonderen Bedürfnissen geeignet. (Das Kinderhaus trägt diesem Anliegen entsprechend der räumlichen Möglichkeiten, des Betreuungsaufwands und der Art der Behinderung gern Rechnung.)

 

In der vorbereiteten Umgebung des Kinderhauses finden Kinder spezielles, ursprünglich von Maria Montessori entwickeltes Material für die selbständige Beschäftigung in den Bereichen, Übungen des täglichen Lebens, Sinnesentwicklung, Sprache, Mathematik und Geografie. Diese Umgebung ermöglicht dem Kind durch Handlungen mit konkreten Gegenständen die Welt im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen, wodurch wichtige Grundlagen für das spätere abstrakte Denken gelegt werden. Darüber hinaus stehen den Kindern unstrukturierte Materialien für eine Betätigung in Bereichen wie Werken, Basteln, Rollenspiel, Musik, Bewegung, Garten u.ä. zur Verfügung.

 

In ihrer Arbeit entdeckte Maria Montessori, dass die Sinnes- und Geistesaktivität des Kindes durch sensible Phasen gesteuert wird, d.h. Abschnitte, die in der Entwicklung des Menschen periodisch auftreten und in denen spezifische Lernbereitschaften zu beobachten sind, z.B. für das Erlernen von Buchstaben und ersten Lesefähigkeiten, für Bewegung, für Ordnung und Zahlen oder das Sozialverhalten. In den sensiblen Phasen innerhalb der kindlichen Entwicklung ist das Kind besonders aufnahmebereit für all jene Eindrücke, die ihm den nächsten Entwicklungsschritt erleichtern oder ermöglichen. Geht man konkret auf diese ureigenen Bedürfnisses des Kindes ein, kann es Entwicklungssprünge spielerisch meistern und mit Freude und Erfüllung lernen.

 


Nach Ansicht von Maria Montessori braucht eine solche Form der Selbstbestimmung Freiheit innerhalb klarer Rahmenbedingungen, die soziales Zusammenleben erst möglich machen. Dementsprechend dürfen die Kinder im Kinderhaus ihr Arbeitsmaterial als auch ihre Spielpartner frei wählen. Um diese Entscheidungen zu treffen, finden Absprachen unter den Kindern statt. Solche sozialen Prozesse sind ein wichtiger Bestandteil der Entwicklungsarbeit, die, wenn nötig, von den Pädagoginnen unterstützt werden. Dazu gehören: Selbstdisziplin zu entwickeln und Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen, die eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse anderer zu erkennen und zu achten.

 

Aufgabe der PädagogInnen und der Eltern  ist es, die Kinder in ihrer Persönlichkeit zu akzeptieren, ihnen respektvoll zu begegnen und sie auf ihrem Weg aufmerksam zu begleiten. Liebevolle Zuwendung, verständnisvolle Hilfe, Achtung vor den kindlichen Bedürfnissen, Angebote zum richtigen Zeitpunkt, das Setzen von sinnvollen Grenzen sowie die Hilfe zur konsequenten Einhaltung der Regeln sind dabei die wichtigsten Aufgaben. Die Rolle des Erwachsenen ist in erster Linie eine anbietende und helfende. Er begleitet und unterstützt das Kind auf seinem Entwicklungsweg und hilft ihm bei der Entfaltung seiner Persönlichkeit.

 

Gelebter Alltag

Die dargestellten Grundsätze der Montessori-Pädagogik finden im Kinderhaus-Alltag konkrete Umsetzung. So bereiten wir beispielsweise gemeinsam mit den Kindern täglich eine gesunde Jause zu, bei der sie Obst und Gemüse schneiden, den Tisch decken oder abräumen und ihr Geschirr selbständig reinigen. Auch beim Mittagessen helfen die Kinder aktiv mit. Ein anderer wichtiger Schritt zur Selbständigkeit ist das selbständige Ankleiden für die Gartenpause.

 

Neben Phasen der selbstbestimmten Freiarbeit kommen wir täglich im Kreis zusammen, um gemeinsam zu singen, zu musizieren oder uns beispielsweise mit Themen der kosmischen Erziehung zu beschäftigen: So kommen wir ausgehend von der Bewegung der Erde um die Sonne zur natürlichen Einteilung des Jahres in Jahreszeiten und zur Entstehung von Tag und Nacht. Daraus können wir die Einteilungen in Monate und deren Namen, in Wochen und die Benennung der Wochentage, in Stunden, in Minuten und in Sekunden ableiten. Auf diese Weise lernen schon Dreijährige ein ganzheitliches Herangehen an die Welt.

 

Zusammengefasst bietet die Montessori-Pädagogik eine wirkliche Alternative für die Erziehung und den Alltag mit jungen Kindern, denn die ermöglicht es Pädagoginnen und Eltern eine Umgebung zu schaffen, in dem das Kind konzentriert spielen und sich die Welt erschließen kann.

.

Mehr erfahren

Neugierig auf noch mehr Montessori? Dann lesen Sie weiter: